Zwölfter Einsatz

Nach rund 1 ½ Jahren ging es für uns wieder los nach Albanien. Begleitet wurde ich dieses Mal von Verena, welche im Frühjahr 2019 schon Mal dabei war. Das Gute war, dass sie schon wusste, was sie erwartet. Am Flughafen in Tirana haben wir uns getroffen und wir sind gleich zum Kloster nach Pllane gefahren, damit wir schon einige Dinge vorbereiten konnten. Ein herzliches Willkommen der Schwestern hat uns erwartet.
Wir haben unseren Einsatzplan mit den einbestellten Patienten bekommen und haben uns so nochmal auf die einzelnen Betroffenen einstellen können. Auf Grund des langen Zeitraums ohne Besuch in Albanien, mussten viele Geräte ausgetauscht werden. Der Zahn der Zeit hat an den Geräten genagt.
Zur Erinnerung, wir arbeiten hauptsächlich mit gebrauchten Hörsystemen, die schon einige Jahre auf dem Buckel haben, bevor sie dort zum Einsatz kommen.
Außerdem haben wir uns für diesen Einsatz vorgenommen, einige der jungen Erwachsenen nach zu versorgen, deren Hörsysteme auch schon mehr als 6 Jahre alt waren.
Der Morgen eines jeden Arbeitstages starteten wir erst einmal mit einem leckeren Espresso. Dann ging es nach dem Prinzip: wer zuerst kommt, ist als erster dran.
Wir hatten mit Grace eine super Dolmetscherin von Englisch auf Albanisch. Sie hat mit Verena ein gutes Tandem gebildet, dass sich schnell eingespielt hat. Sie hatte zügig raus, auf was es ankam und konnte sich gut auf die unterschiedlichen Patienten einstellen. Manchmal dauerte es einige Zeit, bis klar war, wo das Problem liegt. Eine Patientin sprach beispielsweise von Geräuschen auf dem linken Ohr. Man ging von Rückkopplungen aus. Doch am Ende war es ein Tinnitus.
Ich selbst habe meist die Kontrollen von bereits durch uns versorgten Patienten durchgeführt. Wenn ich Übersetzungen benötigt habe, war Schwester Recila zur Stelle.
Sehr viele Patienten kommen zwischen den Einsätzen zu Schwester Recila um die Schläuche zu wechseln und Batterien zu holen. Dies zeigt, wie wichtig die Hörsysteme für viele Menschen sind. Um eine Übersicht über den Verbrauch der Materialien zu haben, werden die Abgaben protokolliert.
Erfreulicher Weise konnten wir für alle jungen Hörgeschädigten Neugeräte finden, welche uns entweder von Herstellern oder Akustikern gespendet wurden.
Ein besonderer Dank an dieser Stelle an die Firma Oticon und Firma Hörakustik Möbel!
Für große Augen bzw. berührende Momente hat neben dem wieder (besser) Hören, die Verbindung der Hörsysteme mit dem Smartphone geführt. Dadurch, dass das Smartphone in beiden Hörgeräten zu hören ist, konnten sie zum Teil das erste Mal in ihrem Leben, oder auch endlich wieder nach langer Zeit, telefonieren. Auch Musik und Youtube-Videos konnten entspannt gehört werden, was für alle eine große Freude war.
Viele der schon länger versorgten Patienten haben berichtet, wie sehr die Hörsysteme zur Lebensqualität beitragen und dass sie durch die Versorgung neue Jobs gefunden haben. Dies zeigt natürlich den besonderen Wert unserer Arbeit.
Es war sehr schön, die vielen bekannten Gesichter wieder zu sehen und es gab viele herzliche Umarmungen.
Vielen Dank an die Otoplastiklabore Müssle und Scheinhardt für ihre schnelle und unkomplizierte Unterstützung!
Dieser Einsatz hat uns nochmal gezeigt, wie wichtig die Kontrollen bei „Alt“ Patienten sind und dass regelmäßige Einsätze wichtig sind. Allerdings ist hierfür auch die Unterstützung durch KollegInnen wichtig, die als Freiwillige mitkommen.
Der nächste Einsatz ist für Anfang Oktober diesen Jahres geplant, sofern ausreichend Geräte gesammelt werden können und sich engagierte KollegInnen finden, die uns begleiten.
